Artemia – Wissenswertes zum beliebtesten Jungfischfutter


Vorwort

Ich wollte hier mal so zusammentragen was ich denke ganz interessant ist über Artemia zu wissen und hoffe, dass das ganze nicht so lang wird für euch.

Gruß Henry

  1. Geschichte
  2. Lebenszyklus
  3. Vermehrung
  4. Qualitätsunterschiede
  5. Schlupfraten
  6. Artemiaansatz
  7. Literatur
  8. Links

Artemia, 1 Tag alt, Auflichtaufnahme 40-fach vergrößert

Artemia-Nauplie, 1 Tag alt, Auflichtaufnahme 40-fach vergrößert

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Geschichte

Ende der 40er Jahre wurden die Artemien als Aufzuchtfutter in der Aquaristik entdeckt. Heute gehören die Artemia-Nauplien zu dem meist eingesetzten Lebendplankton zur Fisch und Crustaceenzucht (90% des Bedarfes), was einen weltweiten Bedarf an handelsüblichen Artemiazysten von über 2000 t pro Jahr verursacht. Die wohl bekannteste und größte Produktionsstätte von Artemia sind die großen Salzseen in den US Bundesstaaten Utah und San Francisco Bay. (50% der Weltproduktion) Auch andere Länder wie z.B. Kanada, Brasilien, Russland und China sind bekannt für die Produktion von Artemia. Die Preise der Zysten können je nach Ernteertrag (wenn z.B der Saltzgehalt in den Salienen absinkt oder die Zysten von Stürmen weggetragen werden ) wie der Goldpreis in die Höhe schießen.
Also nicht wundern wenn der Preis für eine Dose sich vervielfacht 🙁

Bild Großverbraucherbedarf

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Lebenszyklus

Es wir zwar oft von Artemia-Eiern gesprochen aber in Wirklichkeit sind es Artemia-Zysten . Der Unterschied besteht darin, dass sie sich im Inneren nicht langsam zu einer Artemie entwickelt wie z:B ein Kücken, sondern schon bereits fertig im trockenen Zustand metabolisch inaktive Artemia-Embryos existieren, die von mehreren schützenden Hüllen umgeben sind und darauf warten, dass sich die Umweltbedingungen für sie lebenswert ändern. Gelangen sie in das für sie lebensnotwendige Salzwasser, hydratisieren sie sich, werden stoffwechselaktiv und befreien sich in ca. 8-48 h von ihrer schützenden Hülle. In den ersten Lebenstagen spricht man nun von Nauplien. Bis zur nächsten Häutung vergehen jetzt ca. 8 Stunden. In dieser Zeit können sie noch keine Nahrung aufnehmen, da ihr Verdauungssytem noch nicht ausgebildet ist. Jetzt haben sie noch einen großen Energiegehalt (genannt Instar I) Sie sind jetzt 0,4 bis 0,5mm groß.

Artemiazysten Nauplien in der Entwicklung
Artemia-Zysten Entwicklung
Nauplien kurz vor dem Schlupf Beim Schlupf
Kurz vorm Schlupf Instar I

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Instar I

Die erste Häutung findet nach ca. 8 Stunden statt, man spricht nun vom Instar II Stadium. Nun nehmen sie die erste Nahrung, deren Nahrungspartikel bis 50µm Durchmesser haben können , durch Strudeln ein wie z.B. Detritus, Bakterien, einzellige Algen.

Instar II

Jetzt ist das Verdauungssystem ausgebildet und man kann die Nauplien füttern. Sind die Nauplien zum Verfüttern bestimmt kann man ihre Qualität durch 1 tägiges Vorfüttern erhöhen. Im Aquakulturhandel gibt es kommerzielles Ergänzungsfutter auch Booster genannt. Da Artemien wie gesagt Strudler sind, können sie so auch mit Vitaminen etc angereichert werden. Man sollte aber bedenken, dass die Nauplien dabei auch schnell wachsen und für viele Fischlarven zur Aufnahme zu groß werden. Sollte einer von euch mit dem Boostern Erfahrung haben wäre ich froh, wenn ihr sie mir mitteilt (-:.
In den nächsten ca. 8 Tagen häuten sie sich ca. 15-18 mal bis sie ihre Endgröße von ca. 1cm erreicht haben.

Insta-II-Stadium Nauplie - 5 Tage alt
Insar II (3Tag) 5. Tag
Nauplie - 7 Tage alt Bild
7. Tag In Arbeit

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Nachkommenschaft

Die Weibchen tragen ihre Eier unter dem Bauch, wo sich unter normalen Bedingungen alle 4Tage ca. 300 freischwimmende Nauplien entwickeln. Erhöht sich der Salzgehalt und der Sauerstoffgehalt sinkt, entwickeln sich die Embryonen nur bis zum Gastrula-Stadium. Das heißt, es kommt zu einem metabolischen Stillstand (eine Art Winterschlaf) und um die Embryonen bildet sich eine dicke Schale, die das Weibchen nun absetzt. Nun beginnt das Spiel des Lebens von vorne.

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Qualitätsunterschiede

Qualitätsunterschiede, die sich aus ihrer geografischen Herkunft und starken saisonalen Schwankungen ergeben. Man unterscheidet die Qualität in Schlupfraten, Größe der Instar I Nauplien (hängt von dem jeweiligen Stamm ab) und ernährungsphysiologischer Qualität (die vor allem davon abhängt, was den Elterntiere vor der Zystenbildung an Nahrung zur Verfügung gestanden hat – dies ist natürlich durch die Umweltbedingungen geprägt wie Saison, Herkunft u.s.w. )

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Schlupfrate

Qualität Grad A Schlupfrate > 90%
Qualität Grad B Schlupfrate 80-90%
Qualität Grad C Schlupfrate < 80 %

Wobei meiner Ansicht nach Grad C nicht mehr zu empfehlen ist, da bei diesen immer jede Mengen Zystenschalen übrig bleiben die bei der Futteraufnahme von Jungfischen schäden im Darm verursachen können..

Ernährungsphysiologische Qualität

Energiegehalt 0,035 bis 0,075 Joule/Nauplie
Proteingehalt 38 bis 71% Trockenmasse
Fettgehalt 12 bis 30% Trockenmasse

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Pysikalische Qualität

Größe der Nauplien bis zur erste Häutung

< 430 bis 520 à‚µm

Schlupfrate

< 50 bis >90%

Schlupfeffizientz

<200.000 bis >330.000 Nauplien pro g Zysten

Schlupfausbeute

0,15 bis 0,60 g Nauplien Trockenmasse/g Zysten Trockenenmasse

Schlupfzeit

8 bis 48 h

Schlupfsynchronität

10 bis > 24 h

Literaturquellen:

Tagungsband von 3. VDA-Süßwasser-Symposium Fulda 1998

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Artemiaansatz

Um die Zysten zum Schlupf zu bringen habe ich mir mehrere Artemiakulturflaschen gebaut ( Bauanleitung ) die mit einem Liter Wasser und 1 Teelöffel Jodfreiem Speisesalz gefüllt werden.Die Flaschen stehen an einem hellen und warmen Ort neben den Aquarium und werden mit einem Luftschlauch belüftet .Ich gebe ca einen gestrichenen Teelöffel in eine Flasche .Nach ca 10 h beginnen die Nauplien zu schlüpfen .Um die Nauplien zu ernten wird der Luftschlauch aus der Flasche entnommen und die Eier steigen an die Wasseroberfläche auf und die Nauplien sammeln sich im Flaschenhals wo man sie leicht durch denn Hahn in das Artemiasieb ablassen kann.

Bemerkung:

Ich verfüttere die Nauplien bis ca. 12 Stunden nach dem Schlupf, da sie dann noch sehr klein sind und noch nicht soviel Energie durch ihre Häutung verloren haben .Als ich das erste mal Artemia ansetzte ist es mir nicht gelungen, Nauplien zu erlangen, so dass ich fast verzweifelt bin, aber wie sich später herausstellte, lag es nicht an mir, sondern an der schlechten Qualität der Nauplien.

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Literatur

Artemia Der Urzeitkrebs – mehr als nur ein Fischfutter Martina Hayo & Gerhard Schwarz, 1996, Verlag Maria Schwarz, Remagen
ISBN 3-00-000724-5; nur antiquarisch zu haben.

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gute, deutschsprachige Seite, die sehr ausführlich ist
engl. Seite über Artemia, sehr, sehr, SEHR ausführlich

Futtertierzucht


Warum Futtertierzucht ?

  • Viele Larven und Jungfische reagieren nur auf den Bewegungsreitz des Lebenfutters
  • Der Darm der Futtertiere enthält z.B Protozonen die in konzentrierter Form vorkommen die der Fisch sonst nicht aufnehmen könnte
  • Schnelleres Wachstum
  • Futtertiere enthalten Verdauungsenzyme die die Verdauung des Fisches unterstützen
  • Gesunde Entwicklung des Fisches

Weiteres:

Artemia
Bauanleitung für einen Artemiareaktor
Kleintiere im Aquarium

Flaschenfilter

Der Flaschenfilter ist in seiner Bauart sehr simpel und kann in wenigen Minuten hergestellt werden.

Variante 1

Material :

  • Bohrer
  • Säge
  • Schmirgelpapier
  • Silikon oder Heißkleber
  • Brotmesser
  • Pet Flasche
  • Filterschwamm
  • Luftschlauch
  • Drosselhahn, z.B. Gardena Regulierungsventil
  • Kabelrohrbogen
  • Mempranpumpe

Bauteile

Bohrung für Luftschlauch

Eingeklebter Luftheber mit Schlauch

Filter mit Filterboden und Filtermaterial und Drosselhahn

Flaschenfilter in Betrieb

Sägen des Filterkörpers

Zuerst sägt man den Boden der Kunststoffflasche mit einer Säge ab. Das funktioniert am besten mit einer Metallsäge oder Laubsäge, indem man die Flasche in eine U-Schiene oder ähnliches legt, damit sie seitlich nicht wegrutschen kann.

Luftheber

Für den Luftheber verwende ich einen Kabelrohrbogen, der von seinen Maßen fast passgenau in den Flaschenhals passt. In den unteren Bereich des Kabelrohrbogen wird eine Bohrung schräg eingebohrt, deren Durchmesser etwas kleiner als der Luftschlauch ist, so dass er ohne einzukleben dicht abschließt und in der Höhe verstellbar ist.

Filterboden

Als Filterboden eignet sich ab Besten grober Filterschwamm, der sich sehr gut mit einem Brotmesser auf den Durchmesser der Flasche zuschneiden lässt. (Er sollte ca. 1cm größer sein als der Durchmesser der Flasche, damit er richtig fest sitzt)

Zusammenbau

  • Der Luftheber wird bündig mit dem Flaschenhals verklebt.
  • Nun wird der Luftschlauch durch die Bohrung eingebracht, so dass er ein wenig in die Flasche hineinragt. Am anderen Ende des Schlauches wir der Drosselhahn angeschlossen.
  • Nun braucht man nur noch das Filtermaterial, z.B. Filterwatte, in die Flasche zu füllen und den Filterboden (groben Schwamm) einzubauen.
  • Nun kann es los gehen. Membranpumpe anschließen und den Filter ins Aquarium stellen.

Variante 2

Utensilien :

  • Säge
  • Schmirgelpapier
  • Silikon oder Heißkleber
  • Brotmesser
  • Pet Flasche
  • Filterschwamm
  • Filtermaterial
  • Powerhead
  • Kabelrohr

Boden der Flasche absägen

Filterbauteile

Eingeklebter Adapter

Flasche mit Filterboden und Filtermaterial

Powerhead 302 mit Filter im Einsatz

Sägen des Filterkörpers

Zuerst sägt man den Boden der Kunststoffflasche mit einer Säge ab. Das funktioniert am besten mit einer Metallsäge oder Laubsäge, wenn man die Flasche in eine U-Schiene oder ähnliches legt. (siehe oben)

Adapter

Nun sägt man ein ca. 3cm langes Kabelrohrstück ab und schmirgelt die Gratreste und Außenseite des Rohres. (Außenseite, um eine bessere Haftung des Klebers zu erreichen)
Das Kabelrohrstück dient als Adapter zwischen Pumpenstutzen und Flaschenhals.

Filterboden

Als Filterboden eignet sich ab Besten grober Filterschwamm, der sich sehr gut mit einem Brotmesser auf den Durchmesser der Flasche zuschneiden lässt. (Er sollte ca. 1cm größer sein als der Durchmesser der Flasche, damit er richtig fest sitzt)

Zusammenbau

In den Flaschenhals den Adapter so einkleben, dass er im Inneren bündig an der dünnsten Stelle abschließt (sonst bildet sich eine kleine Luftkammer am Flaschenhals). Nun braucht man nur noch das Filtermaterial einzufüllen und mit dem Filterboden ( groben Schwamm ) den Boden der Flasche zu verschließen, Pumpe in Adapter einstecken, fertig ist der Schnellfilter.

Laichnetz


Laichnetz im Eigenbau

Bei der Zucht vieler freilaichender Fische ist es üblich, ein Laichgitter zu benutzen. Dieses unterbindet, dass die Elterntiere den Laich gleich nach dem Ablaichen fressen.

Im Aquarium fand ich das Hantieren mit herkömmlichen Laichgittern, welche die ganze Bodenfläche unzugänglich machen, recht unpraktisch, weshalb ich mir aus überall erhältlichen Mückenschutzgittern mehrere Einhängekescher genäht habe.

Laichnetz-Zeichnung

Diese erfüllen den gleichen Zweck wie die herkömmlichen Gitter, bieten jedoch diesen gegenüber einige Vorteile:

  • Man kann beispielsweise nach dem Ablaichvorgang die Eltern mitsamt dem Netz aus dem Zuchtbecken heben, was den Fangstress enorm mindert.
  • Auch hat man bei solchen Netzen die Möglichkeit, bei Fischen, die über mehrere Tage hinweg ablaichen, den Laich unter dem Netz abzusaugen und in separate Aufzuchtaquarien zu überführen.
  • Bei Zuchtansätzen mit Salmlern kann man bei Verwendung schwarzer Gitter meist auf eine seitliche Abdunkelung der Ablaichbecken verzichten, da die Netzseiten genügend Sichtschutz bieten.

Für ein Laichnetz mit den Maßen 10X20X30cm (für ein 40cm-Aquarium) benötigt man ein Mückennetz von etwa 45X55cm. Größer sollte das Netz nicht sein, da es ansonsten zu instabil werden könnte. (Höchstens bei Bedarf höher als 10cm, um den Wasserstand unter dem Netz zu verringern. Dazu entsprechend die Länge und Breite des Materials anpassen.)

Zuschnitt des Netzes

Wie in der Zuschnittzeichnung dargestellt, werden die Ecken jeweils mit quadratischen Ausschnitten versehen, an deren Seiten das Netz nun zusammengenäht wird. Das erledigt man am Besten mit einer Nähmaschine mit Zickzackstich, von Hand mit Nadel und Faden geht aber auch. Die seitlichen Taschen näht man danach wie in der Zeichnung gezeigt um. Durch diese Taschen schiebt man nun auf etwa 4cm länger als die Aquarienbreite zugesägten Kunststoffröhren oder Holzstäbe.

Beim Einsetzen in das Aquarium befestigt man das Netz zweckmäßigerweise mit Wäscheklammern an den Seitenscheiben des Aquariums.

Dadurch wird vermieden, dass es sich zusammenzieht oder abrutscht. Außerdem lässt es sich so leicht an einer Seite etwas verschieben, um den Glasboden mit einem Schlauch abzusaugen.

Folgendes Material wird benötigt:

  • Ein Stück Mückennetz von 45cm X 55cm; (für 15cm hohe Laichnetze entsprechend 50cm X 60cm)
  • Zwei Kunststoffröhren oder Holzstäbe, jeweils etwa 35cm lang; (Drachenstangen oder Ähnliches aus dem Bastelbedarf)
  • Vier Wäscheklammern.

Ancistrus sp. / Brauner Antennenwels

Ancistrus-Männchen

größeres Bild

Meine Ancistrüsser hab ich bei einem Händler erstanden, als sie ca. 5cm groß waren.
Es waren 4 Stück, bei denen ich den Geschlechtsunterschied aber noch nicht feststellen konnte. Später stellte sich heraus, daß ich ein Männchen und drei Weibchen im Becken hatte. Monate später beobachtete ich nach einem größeren Wasserwechsel (80%) daß das Männchen, inzwischen ca. 8cm groß, unter einem Holzstück den Sand “wegbuddelte”.
Den Raum um die entstandene Höhle verteidigte das bis dahin recht gutmütige Tier sehr aggressiv gegen die anderen Beckeninsassen.

Ancistrus sp. Weibchen

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Am nächsten morgen war das Tier damit beschäftigt, mit Flossenbewegungen die Höhle zu “befächeln”. Bei genauerem Hinsehen waren an der “Höhlendecke” ca. 50-60 oliv-gelbe ca.2,5mm große Eier zu sehen. Da das Ancistrusmännchen in der Folgezeit den Höhleneingang verdeckte, kann ich nicht genau sagen, wann die Jungfische geschlüpft sind. Das Gelege wurde jedoch vom Vater die ganze Zeit über befächelt und gereinigt.
Eine Woche danach hingen die jungen Antennenwelse im ganzen Becken an den Scheiben und Pflanzen und sahen schon “fertig” aus, wobei ihre Farbe eher schwarz war, mit weißen Flossenspitzen.
Sie wuchsen annähernd Verlustfrei heran, was mich vor das Problem der Weitergabe stellte, zudem die A. nach 3-4 Wochen schon wieder ein Gelege, diesmal noch größer als das vorherige, betreuten.
Glücklicherweise nahm ein Händler mir nach einem halben Jahr 150 Welse ab. Über den Erlös…;(((

Mittlerweile ist der “Grundbesatz” 7 Jahre alt und die Nachzuchttätigkeit hat sich stark eingeschränkt.